Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Das heutige Pfingstfest offenbart uns ein Ereignis, durch das das Heil der ganzen Menschheit zugänglich wurde.
Der Heilige Geist erscheint am Pfingsttag nicht zum ersten Mal in der Welt. Schon zu Beginn des Buches Genesis lesen wir, dass „der Geist Gottes über dem Wasser schwebte“ (Gen 1,2). Durch den Geist Gottes wurden die Himmel gefestigt, durch den Geist redeten die Propheten, durch den Geist geschah die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Bei der Taufe des Herrn kommt Er auf Christus herab im Wasser des Jordan. Der Apostel Paulus sagt sogar, dass Christus durch die Kraft des Geistes Gottes auferweckt wurde (Röm 8,11).
Und dennoch spricht der Evangelist Johannes an einer Stelle ein wunderbares Wort über die Jünger Christi: „Denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war“ (Joh 7,39). Wie sind diese Worte zu verstehen? Wirkte der Heilige Geist denn nicht schon zuvor?
Doch, Er wirkte. Aber zuvor wirkte Er in Auserwählten, durch die Propheten, durch die heiligen Menschen Gottes. Doch am Pfingsttag geschieht etwas Neues: Der Heilige Geist wird vom verherrlichten Christus Seinem ganzen Leib – der Kirche – geschenkt. Darum ist dieser Tag der Geburtstag der Kirche.
Die Herabkunft des Heiligen Geistes selbst geschieht offen und vor aller Augen. Die Auferstehung Christi war zunächst ein Geheimnis, von dem nur wenige erfuhren; Pfingsten aber vollzieht sich unter Getöse, inmitten einer Menge von Menschen, verschiedener Sprachen und Völker: „Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört“ (Apg 2,6). Die Gabe des Heiligen Geistes tritt sofort in die Menschheitsgeschichte ein als ein Ereignis, das sich an die ganze Welt richtet.
Die Apostel empfangen nicht nur geistlichen Trost, Inspiration oder religiöse Erfahrung. Sie empfangen den Tröster, den Geist der Wahrheit, den der Herr ihnen zu senden versprochen hatte. Und durch sie wird diese Gabe der Welt offenbart. Nicht umsonst ist die erste erhaltene Predigt des Apostels Petrus seine Pfingstrede: Er spricht davon, dass Gott von Seinem „Geist ausgiessen (wird) über alles Fleisch“ (Apg 2,17). Petrus spricht davon, was vor den Augen des Volkes geschieht: Der durch die Propheten verheißene Geist wird nun den Menschen geschenkt.
Darum wird der Apostel später sagen: „Denn durch einen Geist wurden wir ja alle in einen Leib hineingetauft“ (1 Kor 12,13). Durch Taufe und Myronsalbung wird der Mensch zum Tempel des Heiligen Geistes, er tritt ein in das Leben Gottes selbst.
Manchmal hört man sagen: „Es gibt doch ohnehin nur einen Gott – was spielt es für eine Rolle, wo und wie man glaubt?“ Aber wenn es wirklich keinen Unterschied gäbe, wozu hätte Christus dann den Tröster zu senden versprochen? Wozu die Kirche gründen? Wozu Taufe, Sündenvergebung, Kommunion?
Pfingsten verkündet uns nicht nur, dass Gott existiert oder dass der Mensch zu religiösen Erfahrungen fähig ist. Es verkündet die Teilhabe des Menschen am Leben Gottes selbst – durch den Heiligen Geist.
Die Kirche bewahrt also nicht nur die Lehre von Gott oder die Erinnerung an Christus. Sie bewahrt die Fülle der Gabe des Heiligen Geistes, durch die unser Heil vollzogen wird. Hier wird der Mensch „aus Wasser und Geist geboren“ (Joh 3,5), empfängt die Vergebung der Sünden, vereinigt sich mit Christus in Seinem Leib und Blut, tritt in jenes Leben ein, von dem der Apostel als vom Leben im Geiste spricht.
Von heute an tritt in unser Gebet wieder die Anrufung ein: „Himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit …“ Diese Worte erklingen als die Stimme der Kirche, der der Herr Seinen Geist geschenkt hat, der „bei uns und in uns“ bleibt.
Lasst uns bitten, dass die Gabe des Heiligen Geistes Eingang findet in unser Leben, in unser Gebet, in unsere Beziehungen zu unseren Nächsten – damit die alte Verheißung Gottes sich erfülle: „Und meinen Geist werde ich in euer Inneres legen, und ich werde bewirken, dass ihr nach meinen Satzungen lebt“ (Hes 36,27).
Ein gesegnetes Fest der Heiligen Dreifaltigkeit! Amen.