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Predigt zum 13. Sonntag nach Pfingsten (2026) von den bösen Weingärtnern und dem Eckstein

1 Kor. 16:13-24; Matth. 21:33-42

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 27
Predigt zum 13. Sonntag nach Pfingsten (2026) von den bösen Weingärtnern und dem Eckstein

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Das Gleichnis, das wir heute in der Evangeliumslesung gehört haben, spricht unser Herr Jesus Christus im Tempel von Jerusalem, als Er mit den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes redet (Mt 21,23). Gerade ihnen, den Hütern und Lehrern des Gesetzes, denen die Leitung des Gottesvolkes anvertraut ist, erzählt Christus die Geschichte von dem Weinberg.

Der Hausherr in dem Gleichnis tut alles für den Weinberg: Er „pflanzte einen Weinberg, umzäunte ihn, grub eine Kelter darin und baute einen Turm“ (Mt 21,33). Den Zuhörern Christi war dieses Bild wohlvertraut: Fast mit denselben Worten hatte der Prophet Jesaja von Gott als dem Herrn des Weinbergs gesprochen, der „ihn umzäunte, ihn von Steinen säuberte und edle Reben darin pflanzte“ (Jes 5,1–2). So wies das Bild des Weinbergs schon lange vor Christus auf das Haus Israel hin (Jes 5,7) und auf die Untreue derer, denen Gott seine Sorge anvertraut hatte.

Als die Zeit der Früchte kommt, sendet der Herr seine Knechte – sie werden geschlagen und getötet. Er sendet andere Knechte – mit ihnen tut man dasselbe. Zuletzt sendet er seinen Sohn und denkt: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.“ Doch die Weingärtner überlegen miteinander: „Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen“ (Mt 21,38). In diesen Worten liegt kalte Berechnung. Die Weingärtner wollen den Weinberg nicht zerstören – sie wollen ihn sich aneignen. Was ihnen unter der Bedingung anvertraut wurde, Früchte abzuliefern, das beschließen sie, für immer zu ihrem Eigentum zu machen.

Der Weinberg in diesem Gleichnis ist nicht nur Israel. Er ist die gesamte Schöpfung, von der Gott sagte, sie sei „sehr gut“ (Gen 1,31). Den Menschen aber setzte Gott in diese Welt, „um sie zu bebauen und zu bewahren“ (Gen 2,15). Das heißt: In dem Gleichnis ist der Mensch der Weingärtner – ihm ist anvertraut, was ihm nicht gehört.

Und in diesem uns anvertrauten Leben stellt sich leicht dieselbe Berechnung ein: sich anzueignen, was uns nur geliehen ist. Der böse Weingärtner muss nicht wie ein Aufrührer aussehen – er kann sich durchaus für einen gläubigen Menschen halten, ja sogar für einen Hüter des Werkes Gottes. Die Gefahr liegt in einem beinahe unsichtbaren Austausch. Wir sagen: unser Leben, unser Glaube, unsere Wahrheit. Was uns anvertraut ist, beginnen wir als unseren Besitz zu betrachten und vergessen, dass der Hausherr Früchte von uns erwartet. Aus den auf Zeit bestellten Machern werden wir unmerklich zu selbsternannten Erben, welche die Gaben Gottes ohne Gott selbst begehren.

Der Apostel Paulus spricht heute kurz und bündig: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig, seid stark“ (1 Kor 16,13). Wachen heißt, den Augenblick nicht zu verpassen, in dem wir anfangen, die Gabe für unser Eigentum zu halten.

In dem Gleichnis scheint die Tötung des Sohnes das Ende der Geschichte zu sein – das Verbrechen ist geschehen, und auf die Frage Christi sprechen die Zuhörer selbst das Urteil: Die Übeltäter sollen eines bösen Todes sterben. Doch Christus fügt dem Gleichnis die Worte des Psalms hinzu: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“ (Ps 117,22; Mt 21,42). Hier spricht Christus bereits unverhüllt von Sich Selbst. Was für die Weingärtner wie der endgültige Sieg aussah – die Beseitigung des Erben –, das erweist sich nicht als Ende, sondern als Anfang. Der Verworfene wird zur Grundlage eines neuen Baues. Das menschliche Verbrechen kann das, was Gott wirkt, nicht aufheben.

Das ist unser Trost. Wenn wir in uns die Züge der bösen Weingärtner erkennen, ist das noch kein Grund zur Verzweiflung. Die eigene geistliche Krankheit zu sehen, ist bereits der Beginn der Umkehr. Die Grundlage, auf der die Kirche steht, hängt nicht von unserer Fehlerlosigkeit ab – sie ist bereits durch Christus gelegt, der Untreue der Menschen zum Trotz.

Und anders als die Weingärtner aus dem Gleichnis haben wir das Urteil noch nicht gehört. Solange wir leben, bleibt uns Zeit, mit Früchten zum Hausherrn zurückzukehren – aufzuhören, uns anzueignen, was uns lediglich anvertraut ist, und wieder vor Dem zu leben, Dem unser Leben und alles, was darin ist, gehört.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester