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Predigt zum 22. Sonntag nach Pfingsten (2026) über den Sämann und die Geduld des Herzens

Gal. 6:11-18; Lk. 8:5-15

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 75 |
Predigt zum 22. Sonntag nach Pfingsten (2026) über den Sämann und die Geduld des Herzens

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Heute haben wir im Evangelium das Gleichnis vom Sämann gehört. Christus selbst erklärt es seinen Jüngern: Der Same ist das Wort Gottes, und der Boden ist das menschliche Herz. Jedes Mal, wenn wir dieses Gleichnis hören, geht es um uns selbst, denn das Wort Gottes wird auch in unserem Leben ausgesät. Im Gleichnis fällt der Same auf den Weg, auf felsigen Grund und unter die Dornen.

Vermutlich erkennt jeder von uns darin etwas aus der eigenen Erfahrung wieder. Wir lesen und hören das Evangelium, wir kennen die Gebete, wir wiederholen Worte, die die Kirche uns von Generation zu Generation weiterreicht. Nehmen wir nur das Gebet Vater unser. In seinen Worten bitten wir: „Dein Reich komme“, „Dein Wille geschehe“. Doch wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns wünschen, erwarten wir, dass der Herr die Umstände ändert, und zwar möglichst bald. „Dein Wille geschehe“ beginnt dann allzu leicht zu bedeuten: Es geschehe nach meinem Plan und zu meiner Zeit. Die Worte vom Reich und vom Willen Gottes bleiben am Rand des Bewusstseins, während unsere ganze Aufmerksamkeit von der Sorge darum gefangen ist, wie der Tag verlaufen wird – eben jene „Sorgen des Lebens“, die, wie es im Evangelium heißt, das Wort ersticken.

Und doch spricht Christus am Ende des Gleichnisses von denen, die „das Wort hören und es in einem feinen, guten Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld“ (Lk. 8,15).

Die letzten Worte sind besonders wichtig. Die Geduld, von der hier die Rede ist, meint Standhaftigkeit: die Fähigkeit, die Treue zu halten, wenn es schwer wird. Genau daran fehlte es denen auf dem felsigen Grund, die „in der Zeit der Versuchung abfallen“ (Lk. 8,13).

Eine dieser Versuchungen kennen viele, die schon lange in die Kirche gehen: „So viele Jahre sind vergangen, und alles ist beim Alten geblieben. Dieselben Sünden bei der Beichte, dieselbe Gereiztheit, dieselbe Trägheit – keinen Schritt bin ich vorangekommen.“ Aus diesem Gedanken lässt sich leicht der Schluss ziehen, dass das Wort Gottes nichts verändert. Dann aber droht die Gefahr, ihm nicht mehr zuzuhören. Doch der Same wächst vor unseren Augen verborgen. Wer ihn jeden Tag ausgräbt, um nachzusehen, ob er schon keimt, wird nie einen Keim zu sehen bekommen. Geduld zeigt sich auch darin, dass der Mensch nach jedem Fall zu Gott zurückkehrt, Buße tut und von Neuem beginnt.

Es gibt aber auch äußere Prüfungen. Der Apostel Paulus schreibt in der heutigen Lesung, dass einige die Galater zur Beschneidung drängten, „nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden“ (Gal. 6,12). Sie fürchteten die Folgen der Treue zu Christus. Paulus aber trug an seinem Leib „die Malzeichen des Herrn Jesus“ (Gal. 6,17) – die Spuren der Leiden, die er um Christi willen erduldet hatte. Verfolgung von außen und Mutlosigkeit im Inneren fordern ein und dasselbe: Standhaftigkeit.

Der Prophet Jesaja vergleicht das Wort Gottes mit Regen und Schnee, die die Erde tränken und sie fruchtbar machen. Der Herr spricht durch den Propheten, dass sein Wort nicht leer zu ihm zurückkehrt, sondern vollbringt, wozu er es gesandt hat (Jes. 55,10–11). In diesen Worten liegt die Verheißung der Treue Gottes. Das Gleichnis wiederum zeigt die Freigebigkeit des Sämanns: Er sät weiter, obwohl der Same auch auf ungünstigen Boden fällt. Der Herr ist langmütig mit uns, und darum können auch wir lernen, sein Wort geduldig zu bewahren.

Die Frucht mag noch unsichtbar sein, vieles in uns bedarf noch der Heilung. Die alltäglichen Sorgen können das Gehörte ersticken, Prüfungen unsere Treue ins Wanken bringen. Doch das Wort Gottes hört nicht auf zu erklingen. Und solange wir es heute hören, können wir es tiefer in uns aufnehmen, es bewahren und danach leben.

Lasst uns nicht verzweifeln, wenn das geistliche Wachstum langsam erscheint. Heute und an jedem Tag können wir unser Herz reinigen und uns um Geduld bemühen, denn heute und an jedem Tag wendet sich der Herr aufs Neue an uns. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester