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Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (2026)

Apg. 1:1-12; Lk. 24:36-53

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 12
Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern! Das Fest der Himmelfahrt des Herrn kann auf den ersten Blick wie die Erinnerung an eine Trennung erscheinen. Nach Seiner Auferstehung erschien der Herr vierzig Tage lang den Jüngern: Er redete mit ihnen, stärkte sie, öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift. Die Jünger hatten den Meister wieder gefunden, den sie am Kreuz verloren hatten. Und nun fährt Christus vor ihren Augen auf in den Himmel.

Doch erstaunlicherweise sagt der Evangelist Lukas, dass die Jünger nach der Himmelfahrt „mit großer Freude nach Jerusalem zurückkehrten“ (Lk 24,52). Nicht mit Furcht, nicht mit einem Gefühl des Verlustes, sondern eben mit Freude. Warum?

Weil die Himmelfahrt des Herrn nicht ein Weggehen Christi ist, sondern der Abschluss des großen Erlösungswerkes.

Der ganze irdische Dienst des Erlösers war eine Bewegung Gottes hin zum gefallenen Menschen. Der Sohn Gottes wird Mensch, nimmt unser Fleisch an, tritt in die menschliche Geschichte ein, nimmt freiwillig Leiden, Tod und sogar den Abstieg in die tiefsten Tiefen der Unterwelt auf sich. Doch hier endet der Weg nicht. Christus steht nicht einfach von den Toten auf – Er erhebt die menschliche Natur aus diesen Tiefen hinauf zum Vater.

Das ist die Bedeutung des heutigen Festes. Der Herr fährt nicht als körperloser Geist hinauf. In den Himmel steigt derselbe Christus hinauf, der von der Jungfrau Maria geboren wurde, der gekreuzigt wurde und auferstanden ist. Er bleibt für immer der Gottmensch. Das bedeutet, dass die menschliche Natur bereits in der Herrlichkeit Gottes weilt.

Ohne die Himmelfahrt wäre selbst die Auferstehung noch nicht die Fülle des Heils. Wenn Christus nur auferstanden, aber die menschliche Natur nicht zum Vater empor erhoben hätte, dann ginge es nur um die Fortsetzung des irdischen Lebens – wenn auch eines unendlichen. Doch das ewige Dasein an sich ist noch nicht das Heil.

Denken wir an den reichen Jüngling aus dem Evangelium, der zwar das ewige Leben suchte, aber nicht von seinem Reichtum und seiner gewohnten Lebensweise lassen wollte. Auch wir stellen uns die Ewigkeit allzu oft auf irdische Weise vor: als eine endlose Fortsetzung des gegenwärtigen Lebens mit all seinen Annehmlichkeiten, Freuden und Gewohnheiten.

Aber der Herr ist gekommen, nicht nur Unsterblichkeit zu schenken, sondern etwas unvergleichlich Größeres: das Leben mit Gott und in Gott.

Selbst Adam und Eva hatten vor dem Sündenfall nur die Möglichkeit eines unsterblichen Lebens im irdischen Paradies. Das Buch Genesis sagt, dass der Herr nicht ständig bei den Menschen im Paradies weilte, sondern „zur Zeit der Abendkühle“ (Gen 3,8) in den Garten kam.

Nun aber ist dem Menschen durch Tod, Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus unvergleichlich mehr geschenkt worden. Der Apostel Paulus sagt: „Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (Eph 2,19). Uns ist nicht nur ein schöner Ort zum Leben versprochen, sondern das Verweilen bei Gott, die Teilhabe an Seinem Reich, das Leben in Seinem Haus.

Genau deshalb kehren die Jünger mit Freude zurück. Sie haben verstanden: Christus verschwindet nicht aus der Welt. Im Gegenteil – jetzt hat der Mensch in Christus einen Platz bei Gott.

Doch hier stellt sich die Frage: Wie kann der Mensch überhaupt in die Herrlichkeit Gottes eingehen? Wie kann einer, der von der Sünde gezeichnet ist, vor den heiligen Gott treten?

Selbst der große Prophet Jesaja, als er den Herrn auf dem Thron der Herrlichkeit sah und das „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth“ der Engel hörte, rief erschaudernd aus: „Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen“ (Jes 6,1-5). Erst nachdem der Seraph seine Lippen mit einer glühenden Kohle vom Altar berührt hatte, wurde dem Propheten gesagt: „Deine Schuld ist gewichen, und deine Sünde ist gesühnt.“

Die Kirchenväter sahen darin ein Bild jener Reinigung, die Gott dem Menschen durch Christus Selbst im Geheimnis der heiligen Eucharistie schenkt. Nicht aus eigener Kraft steigen wir zu Gott empor. Christus Selbst führt uns zum Vater. Wie es der Apostel sagt: „Er hat sich, nachdem Er die Reinigung von unseren Sünden durch Sich Selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt“ (Hebr 1,3 SLT).

Und die Kirche lebt bereits jetzt in dieser Wirklichkeit. Durch die Sakramente, durch das Leben in Christus erwarten wir nicht nur ein fernes, zukünftiges Himmelreich, sondern wir werden schon jetzt jenes Lebens teilhaftig, das der Herr durch Seine Himmelfahrt eröffnet hat.

Darum ist das Fest der Himmelfahrt ein Fest der Hoffnung für den Menschen. Für unsere Bestimmung. Dass unsere wahre Heimat dort ist, wo Christus zur Rechten des Vaters thront.

Und wenn unsere Heimat wirklich dort ist, dann muss auch das Herz des Menschen allmählich lernen, nicht nur nach dem Irdischen zu leben. Lernen zu beten, Gott zu danken, am Leben der Kirche teilzunehmen – nicht als äußere Pflicht, sondern als Vorbereitung auf jenes Leben, zu dem Christus uns ruft. Damit das himmlische Reich uns nicht etwas Fremdes und Unbekanntes bleibt. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester