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Predigt zu Mariae Verkündigung in der Karwoche (2026)

Lk. 1:24-38; Mt. 24:36-26:2

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 23
Predigt zu Mariae Verkündigung in der Karwoche (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Der heutige Tag vereint, was scheinbar unvereinbar scheint: die lichte Freude der Verkündigung und die strenge Stimmung der Karwoche. Die Kirche singt vom Beginn unseres Heils, während das Evangelium des Großen Dienstags an das Ende der Zeiten erinnert, an das Gericht und den Aufruf zur Wachsamkeit. Doch wenn wir genau hinschauen, offenbart sich in diesen Ereignissen ein einziges Geheimnis der Begegnung zwischen Gott und Mensch.

In der Verkündigung erklingt das Wort Gottes, das sich an die menschliche Freiheit richtet. Die Allheilige Jungfrau vernimmt den Erzengel mit Bedacht und Vertrauen: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). In dieser Antwort liegt das Eintreten der menschlichen Freiheit in die göttliche Vorsehung. Der Prophet Jesaja hatte Jahrhunderte zuvor verkündet: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären“ (Jes 7,14). Die Prophezeiung erfüllte sich dort, wo das menschliche „Ja“ auf den göttlichen Ruf traf – und die Geschichte erhielt eine neue Wendung.

Die Lesung des Großen Dienstags entfaltet dieselbe Wahrheit im Hinblick auf das Ende der Geschichte. Die Gleichnisse von den zehn Jungfrauen, von den Talenten und vom Jüngsten Gericht handeln nicht von der Furcht vor Strafe, sondern von der Qualität des Wartens. Sie alle drehen sich um eines: um Treue, um Aufmerksamkeit, um die Bereitschaft, den Herrn zu empfangen – um jenen inneren Zustand, den die Allheilige Jungfrau zeigte, als der Engel ihr das Wort Gottes verkündete.

Und zwischen diesem Anfang und diesem Ende verläuft das ganze menschliche Leben. In der Verkündigung wendet sich Gott an den Menschen, und der Mensch antwortet. Und in den Gleichnissen des Großen Dienstags wird offenbar, wie diese Antwort ausfallen kann.

Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen sehen wir jene, die warteten – aber nicht alle waren bereit. Die einen hatten Öl in ihren Lampen, die anderen nicht. Der Unterschied zwischen ihnen liegt nicht in der Erwartung als solcher, sondern offenbart sich in der Stunde der Begegnung.

Dasselbe im Gleichnis von den Talenten: Jeder hat empfangen, aber nicht jeder hat bewahrt und vermehrt. Die Gaben, die uns von Gott geschenkt wurden, wollen nicht vergraben werden, sondern verlangen nach Vermehrung durch gute Werke und Glauben. Und beim Jüngsten Gericht wird sich nicht offenbaren, was wir wissen, sondern wie wir gelebt haben – ob wir die Hungrigen gespeist und die Kranken besucht haben.

Wir sind gewohnt, die Begegnung mit Gott als etwas Fernes zu betrachten. Doch der Herr spricht anders: „Darum wacht, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde, in der der Menschensohn kommen wird“ (Mt 25,13). Wichtig ist nicht allein die Erwartung, sondern auch die Art und Weise, wie dieses Warten verläuft.

So lasst uns wachsam sein und das Wort Gottes im Herzen bewahren. Unsere Wachsamkeit ist nicht die einsame Anstrengung unseres Willens, sondern die Antwort auf den, der in der Verkündigung bereits in unsere Natur eingegangen ist. Der Herr ist mit uns. So wollen auch wir mit Ihm sein. Damit unsere Antwort an Gott nicht verspätet oder leer ausfällt, sondern lebendig und treu werde. Möge der Herr uns die Gnade schenken, Ihm so einfach und wahrhaftig, ohne Zögern zu antworten, wie die Allheilige Jungfrau Ihm geantwortet hat: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester