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Predigt zum Palmsonntag (2026)

Joh 12:1-18

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 21
Predigt zum Palmsonntag (2026)

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Im heutigen Evangeliumsabschnitt (Joh. 12,1-18) sehen wir ein erstaunliches, fast filmreifes Bild: Lärm, Menschenmengen, Palmzweige, Rufe „Hosianna!“ – „hilf doch!“. Und im Zentrum dieser menschlichen Bewegung – die Stille des Herrn.

Der Evangelist Johannes bezeugt: Christus spricht an diesem Tag fast nichts. Mitten in der allgemeinen Jubelstimmung verharrt Er in vollkommener Stille.

Hier erinnern wir uns an die Worte aus dem Alten Testament, wo der Prophet Elija Gott sucht: „Nicht im Sturm war der Herr … nicht im Erdbeben … nicht im Feuer … aber in einem stillen, leisen Wehen“ (1. Kön 19,11–12). Gott offenbart sich nicht dort, wo mehr Äußerliches, sondern dort, wo Tiefe ist.

So auch hier: Der Sinn des Geschehens liegt nicht im Jubel der Menge.

Die Menschen erwarten, in Christus einen König zu sehen – und darin irren sie sich nicht. Aber Er ist ein König, der nicht mit äußerer Macht einzieht: Er kommt auf einem jungen Esel sitzend, ohne jede irdische Herrlichkeit. Sie erwarten Befreiung, Triumph, Stärke. Christus aber zieht in Jerusalem ein, um Leiden und Tod zu empfangen.

Und deshalb schweigt Er.

Weil kein Wort jetzt das fassen könnte, was bevorsteht.

Erst kürzlich, am Tag zuvor, hat Er Lazarus vom Tode auferweckt. Das war ein deutliches Zeugnis: Christus hat Macht über den Tod. Und genau dieses Wunder war einer der Gründe, warum das Volk Ihn mit solcher Begeisterung empfängt. Die Menschen kommen, nicht nur Jesus zu sehen, sondern auch Lazarus – das lebendige Zeugnis der göttlichen Macht.

Aber zwischen der Auferweckung des Lazarus und der Auferstehung Christi liegt ein Weg, den niemand von denen, die Ihn empfangen, ganz zu verstehen und anzunehmen bereit ist.

Die Karwoche beginnt mit der Offenbarung der Macht über den Tod – und durchläuft dann etwas, das äußerlich wie eine Niederlage aussieht.

Und darin liegt das Entscheidende, das uns heute offenbart wird.

Was wir in den kommenden Tagen durchleben werden, ist nicht einfach nur das Gedenken an das Leiden Christi. Es ist ein Zusammenstoß des Todes mit Gott.

Der Tod nimmt Christus gleichsam auf – verlassen, erniedrigt, gekreuzigt. Doch am Ende erweist er sich als besiegt. Und das ist bereits im heutigen Tag verborgen, auch wenn es noch nicht offensichtlich ist.

Deshalb ist dieser Tag zugleich freudig und ernst.

Er stellt uns vor die Wahl: Bleiben wir nur bei diesem Triumph – oder gehen wir weiter, hinter Christus her?

Wir verurteilen oft die Menge, die heute „Hosianna“ ruft und nach fünf Tagen „Kreuzige!“ schreien wird. Aber laßt uns lieber darüber nachdenken, welchen Platz wir selbst einnehmen werden. Hetzen und lärmen wir heute um Christus herum, während Er wie ein König seinen Einzug hält, um uns morgen schon wieder unseren eigenen Geschäften zuzuwenden und Ihn allein zu lassen?

Die Große Fastenzeit geht zu Ende, und damit verschiebt sich auch unsere Aufmerksamkeit. Alles, was mit uns selbst zu tun hatte – mit unseren Anstrengungen, mit der Reue, mit dem inneren Kampf – tritt in den Hintergrund.

Im Zentrum bleibt Christus – Sein Schweigen. Sein Werk, das Er um unseretwillen vollbringt.

Und die Kirche führt uns in den kommenden Tagen nicht zu komplizierten Überlegungen, sondern zum aufmerksamen Folgen dessen, was der Herr vollbringt.

Bemühen auch wir uns in diesen Tagen, in Seine Stille einzutreten. Legen wir für eine Weile unsere endlosen Klagen über das Leben, unsere kleinlichen Kränkungen und Sorgen beiseite. In der Mitte unserer Aufmerksamkeit stehe nur Er.

Und vielleicht wird uns in dieser Stille wenigstens ein kleiner Teil dessen offenbar, was Christus um unsertwillen vollbringt – Er, der in den Tod geht, um ihn zu vernichten und Leben zu schenken.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester