predigt

Predigt zum 10. Sonntag nach Pfingsten (2026) über den mondsüchtigen Knaben

1 Kor. 4:9-16, Matth. 17:14-23

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 25
Predigt zum 10. Sonntag nach Pfingsten (2026) über den mondsüchtigen Knaben

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern! Das heutige Evangelium erzählt uns von einem Vater, der seinen kranken Sohn zu Christus brachte. Er hatte bereits die Jünger des Herrn um Hilfe gebeten, doch sie vermochten ihn nicht zu heilen. Nun wendet sich der Vater unmittelbar an Christus: „Herr, erbarme dich meines Sohnes!“ (Mt 17,15).

Seine Bitte ist völlig natürlich. Er möchte, dass sein Sohn gesund wird. Er möchte Errettung von der Qual. Und Christus heilt den Knaben tatsächlich.

Krankheit und Tod sind mit der Sünde in das menschliche Leben eingedrungen, mit dem Abfall des Menschen von Gott, der Quelle des Lebens. Deshalb heilt Christus, der gekommen ist, um das von Gott abgefallene Menschengeschlecht zu retten, auch die leibliche Gebrechlichkeit. Er ist gekommen, um den ganzen Menschen zu retten – Seele und Leib. Daher ist das Gebet um Heilung für einen Christen selbstverständlich; bringt doch die Krankheit dem Menschen wirklich Leid.

Doch nach dem vollbrachten Wunder fragen die Jünger den Herrn: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ – „Wegen eures Unglaubens“ (Mt 17,19–20), antwortet Christus. Er spricht zu ihnen vom Glauben wie einem Senfkorn, und dann vom Gebet und Fasten. Das Wunder wird so zur Offenbarung über Christus selbst, nicht bloß zur Lösung eines medizinischen Problems. Vor den Jüngern steht Der, welcher den Menschen von der Macht des Bösen befreit und seine Schwachheit heilt. Und ihnen stand noch bevor, in diesem Glauben zu wachsen.

Heute begeht die Kirche das Gedächtnis des heiligen Großmärtyrers Panteleimon. Er war Arzt und widmete sein Wissen und seine Kunst dem Dienst an den Menschen. In seinem Leben waren Heilkunst und Glaube nicht voneinander getrennt. Menschliches Wissen und Mühen können zur Hilfe werden, durch die der Wille Gottes wirkt, doch die Quelle des Lebens und der Heilung bleibt beim Herrn.

Darüber spricht das alttestamentliche Buch der Weisheit Jesu, des Sohnes Sirachs, mit wunderbarer Klarheit: „Ehre den Arzt mit gebührender Ehre, denn der Herr hat ihn geschaffen, und von dem Allerhöchsten kommt die Heilung“ (Sir 38,1–2). Und ein wenig später lesen wir dort: „Mein Kind, sei nicht lässig, sondern bete zum Herrn, so wird Er dich heilen... Danach gib dem Arzt Raum, denn auch ihn hat der Herr geschaffen, und er weiche nicht von dir, denn man bedarf seiner“ (Sir 38,9.12).

Deshalb beten wir um Heilung und suchen zugleich die Hilfe der Ärzte. Wir wollen gesund sein, wir bitten die Heiligen um Heilung, wir bitten den Herrn, uns und unsere Angehörigen von Krankheiten zu erlösen. Aber im Beten lernen wir nach und nach, uns in die Hände Gottes zu geben: Wir können uns behandeln lassen, uns bemühen, um Hilfe bitten – und doch können wir nicht selbst darüber entscheiden, wie eine Krankheit ausgehen wird.

Und hier klingen die Worte der heutigen Epistellesung besonders deutlich. Der Apostel Paulus spricht über sich und die anderen Apostel: „Wir sind schwach“ (1 Kor 4,10). Diejenigen, durch die der Herr das Evangelium verkündete, die Kranken heilte und große Taten vollbrachte, sie selbst blieben Menschen, die der Schwachheit unterworfen waren.

Der heilige Großmärtyrer Panteleimon war Arzt, der sein Leben der Heilung des Leibes geweiht hatte, doch selbst erlitt er einen qualvollen Tod. Hier erinnern wir uns an die Worte, die der Herr im Evangelium anführt: „Arzt, heile dich selbst!“ (Lk 4,23). Von einem Arzt erwartet man, dass er einen anderen heilt; umso mehr erwartet man, dass er sich selbst vor der Krankheit zu bewahren vermag.

Aber Panteleimon hat der Welt tatsächlich die Heilung gezeigt – nur nicht jene, die mit der Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit endet. Er durchlitt Martyrium und Tod und verleugnete Christus nicht. Der Tod verschonte seinen Leib nicht, aber er selbst blieb bei Christus. Und deshalb wurde der Tod nicht zu seiner Niederlage. Hier offenbart sich die wahre Heilung des Menschen: nämlich Christus treu zu sein, der den Tod besiegt hat.

Der Glaube an Christus verspricht dem Menschen nicht, dass er niemals krank sein oder Schwachheit erleiden wird. Er eröffnet uns, dass selbst Schwachheit und Tod nicht das letzte Urteil über den Menschen sind.

Christus, der die Kranken heilt, hat selbst freiwillig Leiden und Tod angenommen und ist von den Toten auferstanden. Darum reicht unsere Hoffnung weiter als die leibliche Gesundheit und sogar weiter als das irdische Leben.

Lasst uns also den Herrn um Heilung bitten, die Hilfe der Ärzte suchen und für das Wohlergehen und das Heil unserer Angehörigen beten. Und gemeinsam mit diesem Gebet wollen wir lernen, Christus sogar dann zu vertrauen, wenn wir die Umstände nicht ändern können. Denn Er ist der wahre Arzt der Menschen, und in Seinen Händen liegen unser Leben, unser Leib und unsere Seele. Und dann wird selbst der Tod nicht das letzte Wort behalten können.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester