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Predigt zum 14. Sonntag nach Pfingsten (2026) über das königliche Hochzeitsmahl

2 Kor. 1:21-2:4; Matth. 22:1-14

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 38
Predigt zum 14. Sonntag nach Pfingsten (2026) über das königliche Hochzeitsmahl

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Im Herrn geliebte Brüder und Schwestern! Im heutigen Evangelium erzählt der Herr Jesus Christus das Gleichnis von einem König, der für seinen Sohn ein Hochzeitsmahl veranstaltet. Alles ist schon bereitet, und der König sendet seine Knechte aus, um die Geladenen zu rufen. Doch die Geladenen weigern sich zu kommen: Der eine geht auf seinen Acker, der andere zu seinem Handel. Einige aber ergreifen die Boten, beschimpfen und töten sie.

In diesen Worten liegt etwas Erschütterndes. Warum lehnt ein Mensch das königliche Mahl ab? Der Grund sind alltägliche Dinge: Acker, Handel, Wirtschaft. Der Mensch ist mit seinem eigenen Leben beschäftigt.

Arbeit, Familie, Studium, die Sorge um das Haus — all das vertraut Gott dem Menschen an, und es fordert Zeit, Aufmerksamkeit und Verantwortung. Die Erfüllung dieser Pflichten an sich entfernt uns nicht von Gott.

Gottes Ruf steht nicht in Konkurrenz zu unserem Leben. Er erklingt in seinem Inneren.

Die Gefahr beginnt dann, wenn das anvertraute Werk zum Selbstzweck wird: Die Arbeit existiert um der Arbeit selbst willen, die Sorge, die ein Ausdruck der Liebe sein soll, verwandelt sich in endlose Geschäftigkeit, und für Gott bleibt immer weniger Raum.

Im Gleichnis sind diese einfachen Worte wichtig: Der eine ging auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft (Mt 22,5) — hier gibt es keine offene Auflehnung gegen Gott, die Menschen sind einfach mit ihren eigenen Dingen beschäftigt.

Da denkt man an die evangelische Martha. Sie nimmt Christus in ihrem Haus auf, sorgt für Ihn — und daran ist nichts Schlechtes. Doch es kommt der Augenblick, da die Sorge selbst beginnt, ihr den zu verstellen, um dessentwillen sie dient. Christus sagt zu ihr: Martha, Martha, du sorgst und beunruhigst dich um vieles; eines aber ist not (Lk 10,41-42).

So stört uns der Ruf Gottes zunächst bei dem, was wir gerade tun, dann beginnt er uns lästig zu werden — und das Gleichnis zeigt, bis zu welcher äußersten Form dieser Widerstand gehen kann.

Doch das Gleichnis ist an uns gerichtet. Man kann nicht ruhig von außen auf die ersten Geladenen schauen und nur daran denken, wie sie Gott abgelehnt haben. Es warnt jeden von uns.

Besonders furchtbar klingen die Worte, mit denen Christus dieses Gleichnis beendet: Viele sind berufen, wenige aber auserwählt (Mt 22,14). Wir können uns nicht allein deshalb für auserwählt halten, weil wir getauft sind, in die Kirche gehen, das Evangelium hören und an den heiligen Mysterien Christi teilnehmen.

Mehr noch: Gerade jetzt befinden wir uns mitten in diesem Gleichnis. Die Göttliche Liturgie, zu der wir uns versammelt haben, ist genau jenes Hochzeitsmahl. Wir sind von unseren Kreuzwegen hierher gekommen — aus eben jenem Leben, in dem es Arbeit, Familie, Studium und Geschäfte gibt.

Und darum betreffen uns die Worte über den Menschen ohne hochzeitliches Gewand unmittelbar: In welchem Gewand sind wir hierher gekommen, mit welchem Herzen stehen wir vor Gott, wenn wir zum heiligen Kelch hinzutreten?

Bei der Taufe sagt die Kirche einem jedem von uns: Die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen (Gal 3,27) — wir haben Christus angezogen, und das ist Gottes Gabe. Das hochzeitliche Gewand im Gleichnis ist die Frage danach, was aus dieser Gabe geworden ist: Ist Christus, den wir angezogen haben, in unserem Leben wiederzuerkennen?

Hier hilft die heutige Lesung aus dem Epistel. Der Apostel Paulus sagt: Gott aber ist es, der uns mit euch in Christus festigt und uns gesalbt hat, der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat (2 Kor 1,21-22). Was uns in der Taufe gegeben wurde, wird in uns durch die Gnade Gottes erhalten.

Die strengen Worte des Gleichnisses sind kein Anlass zur Verzweiflung, sondern ein Ruf zur Wachsamkeit. Wir werden in ihrem Angesicht nicht allein gelassen: Der Herr Selbst wirkt in uns und schenkt alles, was zum Heil notwendig ist.

Solange der Herr uns ruft, solange wir das Wort Gottes hören und zu den heiligen Mysterien Zuflucht nehmen können, bleibt die Tür des königlichen Mahles für uns offen. Darum lohnt es sich, jedes Mal, wenn wir hierher kommen, aufmerksam auf das eigene Leben zu schauen: Verdecken nicht unsere eigenen Angelegenheiten Christus, seien es auch die notwendigsten und besten?

Das Mahl ist bereitet. Der König ruft. Mitten in unserem gewöhnlichen Leben schenkt der Herr uns weiterhin Seine Gnade. Möge es nicht geschehen, dass wir, beschäftigt mit allem, was uns anvertraut ist, Den vergessen, Der uns all das anvertraut hat. Möge Er uns würdigen, wenn die Zeit kommt, vor Ihm zu stehen, in jenem hochzeitlichen Gewand zu erscheinen, das wir in Christus empfangen haben, und einzugehen in die Freude Seines Reiches.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester