predigt

Predigt zum 19. Sonntag nach Pfingsten (2026) über die Berufung des Petrus

2 Kor. 11:31-12:9; Lk. 5:1-11

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 23
Predigt zum 19. Sonntag nach Pfingsten (2026) über die Berufung des Petrus

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Als unser Herr Jesus Christus einst am See Gennesaret das Volk lehrte, sah Er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen nach ihrer nächtlichen Arbeit die Netze. Christus stieg in das Boot des Simon und bat ihn, ein wenig vom Ufer abzustoßen. Von dort aus lehrte Er die Menschen weiter.

Alles beginnt ganz schlicht. Ein Fischer hat die Nacht auf dem See ohne Fang verbracht und ist nun mit seiner gewohnten Arbeit beschäftigt. Und plötzlich ist Christus in seinem Boot. Simon weiß nicht, was darauf folgen wird. Er willigt einfach ein, Ihm zu helfen. Christus tritt in das Leben Simons ein, noch bevor dieser irgendetwas begreift: Das Boot, die Netze, die Müdigkeit bleiben, wo sie sind, doch in dieses gewöhnliche Leben ist der Herr bereits eingetreten.

Dann wendet sich Christus persönlich an Simon: „Fahre hinaus auf die Tiefe und werft eure Netze zum Fang aus!“ (Lk 5,4). Nach dem wunderbaren Fang fällt Simon Jesus zu Füßen und spricht: „Herr, geh weg von mir! Denn ich bin ein sündiger Mensch.“ (Lk 5,8).

Was hinter diesen Worten steht, erklärt das Evangelium nicht, und wir wollen nicht anstelle Simons deuten. Doch diese Regung der Seele ist uns vertraut. Neben etwas Reinem und Echtem wird die eigene Unreinheit unerträglich sichtbar, und der erste Impuls ist, sich abzuwenden und fortzugehen. Es kommt vor, dass wir uns auch vor Gott lieber verbergen und Seinem Blick nicht begegnen möchten. Doch der Psalmist fragt: „Wohin kann ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deinem Angesicht?“ (Ps 139,7). Ein seltsames Verlangen für einen gläubigen Menschen: Gott um Hilfe zu bitten und zugleich nicht zu wollen, dass Er in manche Winkel unseres Lebens schaut.

Doch Christus geht nicht fort. Er sagt zu Simon: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.“ (Lk 5,10).

Hier liegt etwas, das Simon nicht sehen konnte. Christus sagt „Fürchte dich nicht“ zu einem Menschen, von dem Er alles weiß. Er weiß, dass dieser auf den Wellen eben dieses Sees erschrecken und zu sinken beginnen wird. Er weiß, dass Petrus in der Nacht Seines Leidens Ihn dreimal verleugnen und sagen wird: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Er kennt auch den Morgen am Ufer, an dem Er ihn nach der Liebe fragen und ihm Seine Schafe anvertrauen wird. Er kennt auch den letzten Weg, auf den man ihn einst führen wird, „wohin du nicht willst“ (Joh 21,18). All das sieht Er, und dennoch spricht Er: „Folge mir nach.“ Und Simon, der noch nichts davon weiß, verlässt alles und geht.

Der Herr kennt auch unser Leben, so wie Er das Leben Simons kannte. Er kennt unsere Schwankungen, unsere Irrwege, die Schwächen, in die wir auch morgen wieder zurückfallen werden. Und dennoch kommt Er und ruft: mitten in der Arbeit, in den Sorgen und in unserer beständigen Müdigkeit.

Für unsere künftige Treue können wir nicht bürgen. Selbst der Apostel Paulus, den wir uns gewöhnlich als furchtlosen Prediger vorstellen, rettete sich durch die Flucht: Durch ein Fenster wurde ich in einem Korb die Stadtmauer hinabgelassen (2 Kor 11,33). Und der Apostel Paulus wusste, wie schwach der Mensch ist, auch wenn er alle Kräfte dem Dienst an Christus hingibt. Er bat den Herrn, ihn von der Schwachheit zu befreien, und erhielt zur Antwort: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollendet.“ (2 Kor 12,9). Die Treue, auf die man sich verlassen kann, ist die Treue Christi. Simon kannte seinen Weg nicht, doch der, der ihn rief, kannte ihn und verließ ihn nicht – nicht auf dem Wasser, nicht in der Nacht der Verleugnung, nicht am Ufer nach der Auferstehung.

Christus wich nicht von Simon, obwohl dieser Ihn bat, sich zu entfernen. Er wusste, wohin dieser Mensch gehen würde, und blieb. Auf diese Treue hoffen wir. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester