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Predigt zum 3. Sonntag nach Pfingsten (2026)

Röm. 5:1-10; Matth. 6:22-33

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 21
Predigt zum 3. Sonntag nach Pfingsten (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, die heutige Lesung aus dem Evangelium endet mit den Worten des Herrn: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben werden.“ Diese Worte lassen sich leicht für einen frommen Wunsch halten, der auf unser tägliches Leben, in dem wir wirklich für die Familie sorgen, arbeiten und viele dringende Angelegenheiten regeln müssen, kaum anwendbar ist. Aber ruft der Herr dazu auf, die Sorge um das tägliche Brot aufzugeben?

Nein, das meint Er nicht. Mit diesen Worten lehrt uns der Herr das Gottvertrauen, das jede menschliche Arbeit durchdringen sollte. Um dies zu erklären, weist Er auf die uns umgebende Welt hin: „Seht die Vögel des Himmels an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Mt 6,26) „Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht; ich sage euch aber, dass selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet war wie eine von ihnen.“ (Mt 6,28-29) Die Vögel arbeiten, indem sie ihre Jungen aufziehen, und die Lilien wachsen schweigend auf dem Feld. Aber das Entscheidende ist: Weder in jener Arbeit noch in diesem Schweigen ist Raum für quälende Sorge. Mit diesen einfachen Bildern erinnert uns der Herr: Über jedes Geschöpf wacht die Fürsorge des himmlischen Vaters.

Vor diesen Worten über die Vögel und Lilien gebraucht der Herr ein Bild: „Das Auge ist die Leuchte des Leibes.“ Hier geht es nicht um das leibliche Sehen, sondern um den Blick des Herzens, mit dem der Mensch auf sein eigenes Leben schaut. Zugleich warnt der Herr, dass man nicht zwei Herren dienen kann, – Gott und dem Mammon, das heißt überhaupt allem, worauf der Mensch mehr zu vertrauen beginnt als auf Gott.

Die Sorge um den morgigen Tag ist nicht selten eben jener heimliche Dienst am zweiten Herrn, der den Platz einnimmt, der allein Gott gehört.

Der Herr nennt einen solchen Menschen nicht „ungläubig“, sondern „kleingläubig“ (vgl. Mt 6,30). In diesem Wort liegt kein Urteilsspruch, sondern eine ziemlich genaue Diagnose: Der Glaube ist bei einem solchen Menschen zwar vorhanden, doch er ist noch allzu klein, und deshalb versucht er immer wieder, das in seiner Hand zu behalten, was er Gott anvertrauen sollte.

Doch ein und dieselben Umstände lassen sich unterschiedlich betrachten: Selbst in scheinbar ausweglosen Lagen kann man das Wirken Gottes erkennen.

Dies erinnert an die alttestamentliche Geschichte der Witwe von Sarepta, die der Prophet Elija besuchte. Während einer Hungersnot hatte sie nur noch eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl – den letzten Vorrat vor dem Hungertod. Alles menschliche Überlegen sprach von der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage. Aber gerade da erging das Wort Gottes an sie. Und die Witwe vertraute darauf. Sie wusste nicht, auf welche Weise der Herr helfen würde. Aber sie glaubte, dass Er sie nicht verlassen werde. Und der Herr bewahrte ihr Haus während der Hungersnot.

Die heutige Apostellesung führt dieses Vertrauen auf seinen eigentlichen Grund zurück. Der Apostel Paulus spricht von dem, was bereits geschehen ist: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm 5,8) Wenn Gott seinen Sohn hingab, um uns mit sich zu versöhnen, als wir noch seine Feinde waren, dann werden die Sorgen um das tägliche Brot erst recht nicht außerhalb seiner Fürsorge bleiben.

Jeden Tag, liebe Brüder und Schwestern, sprechen wir Worte, in denen genau dieses Vertrauen bereits enthalten ist: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Wir bitten um Brot für heute – um das einzige Maß, das Gott selbst bestimmt hat: „Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage“, sagt der Herr (Mt 6,34). Und dasselbe Brot wird uns in der Göttlichen Liturgie gereicht, in der Kommunion der Heiligen Geheimnisse Christi, wo der Herr selbst unsere Speise wird und das wahrhaftigste Unterpfand dafür, dass Er uns nicht verlassen wird.

Lasst uns arbeiten, wie die Vögel des Himmels arbeiten, ohne unsere irdischen Sorgen aufzugeben, aber indem wir sie Dem anvertrauen, der jedes Geschöpf nährt und kleidet, der um unseretwillen seinen eingeborenen Sohn nicht verschont hat und der weiß, was wir nötig haben, noch ehe wir darum bitten. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester