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Predigt zum 4. Sonntag nach Pfingsten (2026)

Röm. 6:18-23; Matth. 8:5-13

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 12
Predigt zum 4. Sonntag nach Pfingsten (2026)

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Heute hörten wir aus dem Evangelium, wie ein gewisser römischer Hauptmann zu Christus kommt und Ihn bittet, seinen Knecht zu heilen. Bemerkenswert ist nicht die Bitte selbst, sondern die Art, wie er sie vorbringt.

Als der Herr sofort einverstanden ist und sagt: „Ich will kommen und ihn heilen“, antwortet der Hauptmann mit Worten, die die Kirche nun seit fast zweitausend Jahren bewahrt: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du unter mein Dach eingehest; sondern sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund.“

Nach genau diesen Worten bemerkt der hl. Evangelist Matthäus etwas außergewöhnliches: „Als Jesus das hörte, verwunderte er sich“. Was sah der Herr in diesem Heiden, das Er bei vielen Söhnen Israels nicht fand?

Der Hauptmann – als römischer Soldat war er kein Jude, sondern Heide – verstand das, was vielen Schriftgelehrten verborgen blieb: dass das Wort des Herrn Jesus Christus nicht bloß das Wort eines Weisen ist, nicht der Befehl eines Feldherrn und keine Zauberformel. Es ist das Wort, vor dem Krankheit und Tod weichen, so wie sie nur vor einem weichen – vor dem Wort Gottes selbst.

Wir denken an das Buch Genesis: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Gott schafft durch das Wort. Der Hauptmann, der die Heilige Schrift nicht so kannte wie die Schriftgelehrten, verstand als Soldat, der an Macht und Gehorsam gewöhnt ist: Vor ihm steht Derjenige, dessen Wort genauso wirkt.

Der Prophet Jesaja überliefert das Wort des Herrn: „So soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern es bewirkt … und führt aus, wozu ich es gesandt habe“ (Jes 55,11). Christus spricht zum Sturm: „Verstumme!“ – und es tritt Stille ein. Er spricht zum Gelähmten: „Steh auf!“ – und dieser beginnt zu gehen. Später wird er zu Lazarus sagen: „Komm heraus!“ – und der Tote wird aus dem Grab hervorkommen.

Das Wort Gottes nicht lediglich ein Wunsch oder ein Ratschlag. Es vollbringt, wozu es gesprochen wurde. Und in diesem Evangeliumsbericht offenbart sich ein noch größeres Geheimnis. Das Wort, durch das Gott die Welt erschuf, ist Fleisch geworden: „Und das Wort ward Fleisch“, sagt der heilige Evangelist Johannes (Joh 1,14). Vor dem Hauptmann steht das fleischgewordene Wort Gottes. Daher genügt ein einziges Wort von Ihm. Und genau das glaubte der Hauptmann – mit all seiner militärischen Erfahrung, mit all seinem Verständnis dafür, was wahre Autorität bedeutet.

Und wir, liebe Brüder und Schwestern im Herrn, finden es oft leichter, Gott wortreich um etwas für uns zu bitten, als aufmerksam zu hören, was Er zu uns sagt. Wir kommen zu Gott mit unseren Bitten, Ängsten, ja sogar Forderungen. Aber auch der Herr spricht ja zu uns. Die Frage ist nur, ob wir dazu in der Lage sind, Ihn zu hören.

Das Evangelium, die Apostellesung, die Psalmen erklingen im Gottesdienst nicht dafür, dass wir eine Geschichte erfahren oder uns einfach an einem schönen Text erfreuen. Sondern das Wort des Herrn, das in der Kirche erklingt, ist lebendig. Es vermag den Menschen zu verändern, zu trösten, zu ermahnen, zu heilen und zu verklären – wenn wir es im Vertrauen annehmen, so wie es der römische Hauptmann annahm.

Der Hauptmann bittet übrigens nicht für sich selbst, sondern für seinen Knecht. Auch das ist wichtig. Er, der Vorgesetzte, steht vor Christus als Fürsprecher, als Anwalt für seinen Untergebenen, der selbst nicht zu Christus kommen kann. So müssen auch wir im Gebet diejenigen zu Gott tragen, die schwach sind, die krank sind, die nicht selbst zum Herrn kommen können.

Lasst uns mit demselben Vertrauen, das der römische Hauptmann hatte, jedem Wort Christi lauschen. Denn Derjenige, der einst sprach: „Es werde Licht“, richtet auch heute Worte des Lebens an uns. Und wenn wir sie im Glauben annehmen, bewirken sie in uns das, wozu der Herr sie sendet: Sie heilen, stärken und führen uns zum Heil. Dann können die Worte des Hauptmanns von Kapernaum auch zu unserem Gebet werden: „Herr … sprich nur ein Wort …“ Und der Herr wird es nicht unerhört lassen. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester