Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute hörten wir eine Lesung aus dem Evangelium, das in der Kirche auch an anderen Festen zu Ehren der Gottesmutter vorgetragen wird. Darin ruft eine Frau aus der Menge: „Selig der Leib, der dich getragen hat!" (Lk 11,27). Der Herr Jesus Christus antwortet: „Selig vielmehr, die das Wort Gottes hören und bewahren." (Lk 11,28).
Diese Worte helfen zu verstehen, worin die wahre Seligkeit der Gottesmutter besteht. Man preist sie als die Mutter des Herrn, und Christus selbst nennt den Grund dieses Ruhmes: Sie hat das Wort Gottes gehört und bewahrt.
Denken wir an Mariä Verkündigung. Als der Erzengel der Maria den Willen Gottes verkündet, antwortet sie: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast." (Lk 1,38). Die Gottesgebärerin weiß nicht, was alles auf sie zukommen wird, und vertraut sich dennoch Gott an. Diese Zustimmung wird zum Anfang des größten Ereignisses der Menschheitsgeschichte: der Menschwerdung des Sohnes Gottes.
Von Christus sagt der Apostel in der heutigen Lesung: „Er entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich." (Phil 2,7). Der Sohn Gottes steigt zum Menschen herab, und die Gottesgebärerin nimmt dies an. Der Prophet Jesaja überliefert das Wort des Herrn: „Auf den werde ich blicken: auf den, der arm ist und der zerschlagenen Geistes ist und der zittert vor meinem Wort." (Jes 66,2). Und die Gottesmutter sagt: „Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut." (Lk 1,48).
Diese Zuwendung zu Christus sehen wir auch auf der Ikone der Gottesmutter von Kasan. Der Kopf der Gottesmutter ist dem Kind zugeneigt, das den Segen spendet. Alles in diesem Bild ist auf ihn ausgerichtet, so wie das ganze Leben der Gottesgebärerin.
Vor diesr Ikone betete man in den Jahren großer Wirren, als die Menschen vom Krieg erschöpft und vom gegenseitigen Misstrauen gespalten waren. Auch heute erinnert vieles um uns herum an Zeiten der Wirren: Kriege, die Angst um die Nächsten, Zwietracht unter den Menschen, die Ungewissheit vor uns. Wir kommen mit denselben Nöten zur Gottesmutter und bitten um Hilfe von ihr, die einst alles Gott anvertraut hat. Sie ist die Mutter dessen, der gekommen ist, um alle Menschen zu retten; darum kann jeder vor ihrer Ikone stehen, in welcher Sprache er auch betet.
Wer mit Glauben zu ihr kommt, dem hilft sie, den Weg zu Christus zu finden. Sein Wort zu hören und zu bewahren – darin besteht die Seligkeit, von der das Evangelium spricht und die die allheilige Jungfrau Maria durch ihr Leben gezeigt hat. Der Herr helfe uns durch die Gebete der Gottesgebärerin. Amen.