aktuelles, predigt

Weihnachtsbotschaft des Patriarchen Kyrill (2026)

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 71
Weihnachtsbotschaft des Patriarchen Kyrill (2026)

Im Herrn geliebte Bischöfe, ehrwürdige Priester und Diakone, gottliebende Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

Von Herzen beglückwünsche ich euch alle zum lichtstrahlenden Fest der Geburt unseres Herrn, Gottes und Heilands Jesus Christus und richte an euch die Worte des alten Kirchenhymnus: »Christus wird geboren – preiset ihn! Christus kommt vom Himmel – gehet ihm entgegen! Christus ist auf Erden – erhebet euch!« (Irmos der 1. Ode des Weihnachtskanons).

Der Apostel Paulus bezeichnete das Ereignis der Menschwerdung Gottes als das große Geheimnis des Glaubens (1 Tim 3,16). Vor diesem Geheimnis verstummt in Zittern alles irdische Sinnen. Vor ihm verblasst alles eitle menschliche Wissen. Es vermag das gröbste und verhärtetste Herz zu entwaffnen und zu erweichen. Mitten in der Härte und Verbitterung dieser Welt wird Der geboren, der allein jede Entzweiung heilen, uns wahren Frieden und echtes Glück schenken kann.

Seit die Sünde in das menschliche Leben eingetreten ist, herrschte auf Erden eine tragische Trennung – und die Welt, losgerissen vom Schöpfer, der wahren Quelle des Lichts, versank unweigerlich in Finsternis und Chaos. Doch Gott verließ seine Schöpfung nicht und beließ sie nicht ohne Fürsorge. Geduldig unser Heil vorbereitend, wurde der Herr Fleisch, trat in die irdische Geschichte ein und wurde einer von uns. Der Sohn Gottes wurde zum Menschensohn, uns in allem gleich, außer der Sünde. Die voll Kummer gestellte Frage »Wo bist du, Adam?« (Gen 3,9), die einst im Garten Eden erklang, fand endlich Antwort in der armseligen Höhle nahe Bethlehem. »Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel« (1 Kor 15,47). In Christus, dem neuen Adam, hat Gott die Welt mit sich versöhnt (2 Kor 5,19), die menschliche Natur erneuert und sie von den Wunden der Sünde geheilt.

Das Leben des Menschen und das Leben der ganzen Welt werden allein in Gott geheilt – das ist die einfache, doch so wichtige Wahrheit, von der das heutige Fest zeugt. Wie sollte man hier nicht die inspirierten Worte des seligen Augustinus erinnern, der mit heiligem Zittern den weisen Ratschluß des Allherrschers pries! »Du hast uns auf dich hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir« (Bekenntnisse 1,1). Nur in Christus Jesus findet sich die Einheit mit Gott und der wahre Sinn des menschlichen Lebens, der von Anbeginn der Welt zur Ewigkeit berufen ist.

Die Ankunft des Heilands in der Welt ist vor allem die Offenbarung der göttlichen Liebe zu den Menschen: einer Liebe, die einerseits grenzenlos und alles überwindend, andererseits sanftmütig ist, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles (1 Kor 13,7). Wie sollen wir würdig auf die große Liebe unseres Schöpfers antworten und uns Ihm nähern? Diese Nähe wird von uns erreicht und bekräftigt durch das Befolgen der evangelischen Gebote, durch Geduld und ungeheuchelte Liebe zueinander, und vor allem durch die beständige Erneuerung unserer Einheit mit Christus im Sakrament der Heiligen Eucharistie.

Heute ist das Fest der Hoffnung. Das Fest des Friedens. Das Fest stiller Freude. Während wir den geborenen Heiland preisen und Ihn mit Gesängen und kirchlichen Hymnen empfangen, lasst uns der hohen christlichen Berufung eingedenk sein, das Licht der Welt und das Salz der Erde zu sein (Mt 5,13-14) und, solange es Zeit ist, Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen (Gal 6,10). Schenken wir Hoffnung den Betrübten, trösten wir die Mutlosen, teilen wir die Freude mit Nahen und Fernen und helfen wir den Bedürftigen – so handelnd werden wir wahrhaft für Gott ein Wohlgeruch Christi sein (2 Kor 2,15) und dem geborenen Herrn rechte Gaben bringen.

An jene aber, die noch aufgrund verschiedener Umstände außerhalb der heilsamen Einfriedung der Kirche sind und nicht am Leben der christlichen Gemeinschaft teilhaben, richte ich den Aufruf: Öffnet euer Herz Dem, der uns so geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16). Lasst uns den Herrn und Heiland preisen für Seine unaussprechliche Barmherzigkeit und Liebe zum Menschengeschlecht.

Indem ich alle zum Fest der Geburt beglückwünsche, wünsche ich euch, meine Lieben, Kraft und unerschöpfliche Freude über den geborenen Heiland. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus (Eph 1,2). Amen.

PATRIARCH VON MOSKAU UND GANZ RUSSLAND
Christi Geburt 2025 / 2026
Moskau

Geschrieben von Roman Bannack, Priester