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Predigt zum Sonntag der hll. Väter (2026) vor Christi Geburt

Mt 1:1-25

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 81
Predigt zum Sonntag der hll. Väter (2026) vor Christi Geburt

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Die Zeit gehört Gott. Wir haben nicht die Macht, sie zu beschleunigen, anzuhalten oder zurückzudrehen. Uns bleibt nur, in ihr zu leben, ihren Lauf mit Tagen, Wochen, Jahren zu bezeichnen und – wenn wir genug Achtsamkeit und Nüchternheit aufbringen – in diesem Lauf das Wirken Gottes zu erkennen.

In diesen Tagen, in denen die Welt das Neue Jahr begrüßt hat, ruft die Kirche uns zu einer ganz anderen Begegnung – zur Geburt des Ewigen in der Zeit, zur Herabkunft des Himmlischen in unsere irdische Welt.

Der heutige Sonntag wird „Sonntag der heiligen Väter“ genannt. In der Evangeliumslesung hörten wir eine lange Aufzählung von Namen – den Stammbaum unseres Herrn Jesus Christus dem Fleische nach. Mit dieser Aufzählung beginnt das Evangelium nach Matthäus: Namen, Generationen, eine trockene Kette von Fakten. Vielen mag das als ein unglücklicher Anfang für eine Erzählung erscheinen. Doch genau darin liegt eine der tiefgründigsten Lehren: Der Herr Jesus Christus wird nicht außerhalb oder über der Geschichte geboren. Er tritt ein in unsere Welt, in eine konkrete Zeit, in eine wirkliche menschliche Geschichte. Er hat Vorfahren, ein Geschlecht, ein Gedächtnis der Generationen. Der Gott, den Israel Jahrhunderte lang bekannt hat, und das Kind, das in Bethlehem geboren wird – das sind nicht zwei verschiedene Götter. Das Alte und das Neue Testament treffen hier nicht in einer abstrakten Idee, sondern in lebendiger menschlicher Geschichte zusammen.

Wenn man sich diesen Stammbaum jedoch genau ansieht, wird klar: Es handelt sich nicht um eine Galerie ausschließlich makelloser Gerechter. Unter den Vorfahren Christi gibt es die unterschiedlichsten Menschen – Starke und Schwache, Weise und von Leidenschaften Geblendete, solche, deren Leben geradlinig, und solche, deren Weg voller Brüche war.

Darunter sind Könige, Krieger, Landleute; wir hören Namen von denen, die fielen und wieder aufstanden, strauchelten und zurückkehrten. Die Heilige Schrift verbirgt das nicht und beschönigt die Geschichte nicht nachträglich. Wir erinnern uns an Rahab, die der Apostel Paulus (vgl. Hebr 11,31) und der Apostel Jakobus (vgl. Jak 2,25) ausdrücklich als „Dirne“ bezeichnen, aber gleichzeitig von ihrem Glauben und ihren gerechten Taten zeugen; ebenso wird in der Reihe der Vorfahren Christi der König Manasse genannt, von dem in der Heiligen Schrift gesagt wird, dass er tat, was „böse war in den Augen des Herrn“ und abscheulich (vgl. 2 Kön 21,2), doch sein Bußgebet erklingt bis heute in unseren Gottesdiensten. Diese Menschen waren nicht „bequem“ oder fehlerlos – aber sie fielen nicht aus der Heilsgeschichte heraus. Und der Herr verwirft diese Seine menschliche Geschichte nicht.

Gerade darum liest die Kirche Jahr für Jahr diese Seiten der Heiligen Schrift und erinnert daran, dass der Weg zur Geburt des Heilands lang und nicht leicht war. Durch die Schicksale vieler Menschen, durch ihre Treue, ihre Niederlagen und ihr Ausharren entfaltet sich die Geschichte der göttlichen Verheißung – die Geschichte derer, die im Glauben lebten, oft ohne seine Früchte zu sehen. Wie der Apostel Paulus in der heutigen Lesung sagt: „Und diese alle, die durch den Glauben bezeugt sind, haben die Verheißung nicht erlangt“ (Hebr 11,39).

In dieser Erfahrung erkennen wir auch unser eigenes Leben: Glaube, vermischt mit Zweifel, Niederlagen und Umkehr durch Reue, Geduld und Murren, Hoffnung, die neben der Mutlosigkeit steht. Und so werden die Generationen aus der heutigen Evangeliumslesung tatsächlich auch zu unseren eigenen geistlichen Vorfahren.

Und dann beginnen wir zu begreifen, dass in erster Linie Gott Selbst treu ist, und dass Er unendlich langmütig mit uns ist. Denn auch unsere Geschichte ist ja kein kontinuierlicher Weg zur Vollkommenheit und reinem Glauben, sondern ein gewundener Pfad mit Abstürzen und Aufstiegen.

Der Herr wendet alles zum Guten und wird in unsere Welt, in unseren Raum, in unsere Zeit geboren; Er wird, was Er nicht war – Er wird einer von uns und verschmäht niemanden. Er selbst geht dem Menschen entgegen, nimmt unser Leben so an, wie es ist, und will jeden von uns zum Heil führen.

Wir wollen, liebe Brüder und Schwestern, uns würdig auf die bevorstehende Begegnung vorbereiten, im Gedächtnis daran, wie lange und geduldig Gott die Menschheit zu diesem Tag geführt hat – und wie behutsam Er jeden von uns weiterführt. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester